Titel des ersten Bildes
Titel des zweiten Bildes
Titel drei
Titel vier
Home » News » Medienberichte » Medienbericht 2012 » Schneewittchen und die 27 Chinesen
Schneewittchen und die 27 Chinesen
標籤, Nihăo, (guten Tag) schafften wir alle zu lernen. Sicher klang es für die 27 chinesischen Besucher, die fünf Nächte in Gieselwerder verbrachten, komisch.

Schneewittchen und die 27 Chinesen

Auftakt zum deutsch-chinesischen Kulturjahr in Gieselwerder Ende Januar 2012

Text und Fotos: Nora Kircher
標籤, Nihăo, (guten Tag) schafften wir alle zu lernen. Sicher klang es für die 27 chinesischen Besucher, die fünf Nächte in Gieselwerder verbrachten, komisch. Sie wohnten in privaten Familien, was für alle Beteiligten, also auch für die Chinesen, eine ganz besondere Begegnung war. Die Traditionen sind so unterschiedlich, dass alle eigentlich nur übereinander staunen konnten. Schon morgens das Frühstück unterscheidet sich erheblich. In China gibt es eine Nudelsuppe und ist eine völlig unwichtige Mahlzeit. Dagegen wird die Suppe bei der Hauptmahlzeit erst zum Schluss gegessen. So lernten die Chinesen ein deutsches, zugegebenermaßen kleines Frühstück, gleich am ersten Morgen im Weberei-Museum kennen. Es war Sonntagmorgen und es gab frische Brötchen, Butter, Marmelade sowie Honig. Dazu Kaffee und chinesischen Jasmintee. Wenigstens etwas Vertrautes sollten Sie bekommen. Der Tee war entsprechend auch so zubereitet, wie es in China üblich ist: die Teeblätter direkt in der Tasse, der Tee stark und mit heißem Wasser mehrfach aufgefüllt.

Wir hatten die Brötchen schon aufgeschnitten und reichten sie herum. In China gibt es erst neuerdings Brötchen und Kuchen, was sich aber nur die Reichen leisten können, vorausgesetzt, es ist eine Bäckerei in ihrer Nähe. Entsprechend sind sie natürlich den Um- gang mit dem Messer nicht gewohnt. Bei den meisten sah es also ungefähr so aus, als würden mit Essstäbchen ungeübte Deutsche mit eben diesen Stäbchen essen. Geschmeckt hat es ihnen, dass war nicht zu übersehen. Drei der elf Kinder hätten nur lieber Cola zum Frühstück gehabt.

Organisiert hatte diese Reise Frau Cao, die in Frankfurt/Oder lebt, zusammen mit ihrem Ehemann, Herrn Wang, einem ehemaligen, mehrfachen Meister im Gewichtheben, der in China lebt. Im Oktober 2011 waren sie das erste Mal in Gieselwerder und besuchten das Weberei-Museum. Zunächst hat mein Mann Timur B. Kircher bei der Organisation sehr aktiv geholfen. Später übernahmen Frau Buchholz-Blödow von der Deutschen Märchenstraße und Rüdiger Henne (Bürgermeister von Oberweser) diese Planung.

Der Grund dieser Reise war das deutsch-chinesische Kulturjahr 2012, aus Anlass der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen vor 40 Jahren. Begleitet wurden die 11 Kinder – es war eine Kinderreise mit dem Thema “Winter-Märchenreise 2012“ – von Eltern und vor allem von BTV (Beijing Television), einem Pekinger Fernsehsender für Kinder. Gesendet wird der ein- einhalbstündige Film über diese Reise am 6. März in ganz China. Der Moderator, begleitet von einer Redakteurin und zwei Kameraleuten, sei in China sehr bekannt, vor allem für seine Größe und weil er dick sei. Letzteres kam uns allerdings nicht so vor. 1 Kurzum, alles wurde gefilmt. Absolut alles. Unsere Zwerge, die alte Kasse im Museum genauso wie der Webstuhl oder in der oberen Etage der erste fertige Museumsraum. Oft zusammen mit dem Moderator, der Albernheiten dabei machte. Dabei trug er eine in China sehr beliebte riesige, schwarze Brille – Timur nennt sie gerne Eulenbrille – ohne Glas. Nur als Schmuck. Ich sprach ihn darauf an und bekam eine geschenkt. In den Großstädten Chinas sieht man tatsächlich ganz viele junge Leute damit herumlaufen. Wir hatten dort schon unseren Spaß damit.

Leider konnte ich auch nur selten mit dem Blitzgerät ein Foto machen, denn sonst hätten die langen Filmaufnahmen noch länger gedauert.
Lange Zeit wurde auch mit dem Fotografieren aller Familienangehörigen verbracht, selbstverständlich jeweils mit Bürgermeister, Schneewittchen oder am Montagfrüh, bei der anberaumten Pressekonferenz, auch mit Dornröschen und Ritter Dietrich. Geschenke machten die Runde. Schöne, hauchdünne chinesische Papierscherenschnitte und Seidenkopftücher.

Am Sonntag verbrachte die Gruppe die Mittagszeit in Oedelsheim im Museum, begrüßt vom Gestiefelten Kater. Dort wurde für sie im alten Backofen Brot gebacken. Die Kinder durften den Teig kneten – etwas für diese Kinder Neues, denn in den meisten chinesischen Familien gibt es außer Nudelteig keine Möglichkeit einen Teig kennen zu lernen. Ganz davon abgesehen, dass es in China in „normalen“ Haushalten keinen Backofen gibt. Warum auch, bei drei warmen Mahlzeiten – ohne Brot, Pizza und Auflauf – die in China üblich sind. In den meisten Küchen gibt es einen Reiskocher, einen Gasherd und einen Wok, in dem alles kurz zubereitet, meistens gebraten, wird. In Oedelsheim jedenfalls hatten sie die Gelegenheit eine deutsche Tradition zu erleben und zu schmecken. Wie ich gehört habe, hat es ihnen sehr gut geschmeckt.

An den Tagen Sonntag bis Mittwoch unternahmen die Chinesen allerlei Besichtigungen in der Umgebung, dazu gehörte natürlich unter anderem das Schiffermuseum und der Mühlenplatz in Gieselwerder, wie auch die Trendelburg, Polle und die Sababurg. Morgens und abends filmten sie in Gieselwerder und vor allem bei Brunhilde Rossel in der Küche – Kuchen und Brot backen. Die Kinder nutzten die Zeit des Filmens gerne, um mit ihren iPods, Handys und Dingern wovon ich nichts verstehe, zu spielen. Am Montagmorgen während des Pressetermins boten wir ihnen Nadelfilzen an, was zunächst auch alle mitmachten. Nicht lange und die meisten waren wieder mit ihren elektronischen Spielen beschäftigt. Aber die wenigen, die dann weiter gefilzt haben, hatten ihren Spaß dabei.

Am Mittwoch Abend gab es ein schönes Abschiedsessen im Kronenhof in Oedelsheim. Die Tische waren wunderbar und fantasievoll nach verschiedenen Märchen eingedeckt. Es gab das Märchen-Menü.

Während wir allerdings darauf warteten, wurde Mirela Sevenich-Walter, unser Schneewittchen, noch mal gefilmt, wie sie dem Moderator einen Apfel gab, der daran „biss“ und ohnmächtig wurde. Nun ja, nicht ganz märchenkonform. Dabei seien die Grimm-Märchen in China sehr beliebt und bekannt. Allerdings mit für unsere Augen ganz ungewohnten Abbildungen. Während des Essens wurden, auf ausdrücklichen Wunsch einiger Chinesen, Prospekte herumgereicht mit Grundstücken in Oberweser, die zum Verkauf angeboten werden. Auch wenn es nicht zu einem Kauf kommt, es hat uns gezeigt, wie begeistert die Chinesen von unserer Landschaft und vor allem von unserer Gastfreundschaft waren. Man konnte auch heraushören, dass sie eine schöne Zeit bei ihren Ausflügen hatten und viel gesehen haben.
Die Volkstanzgruppe aus Oedelsheim führte einige Tänze vor, sicher sehr spannend für die Chinesen, denn diese Tanzmusik kannten sie nicht. Ebenso die schönen Kosüme, liebevoll geschneidert von Oedelsheimerinnen. Eigentlich wollten die Tänzerinnen nach Hause, aber da gab es noch Filmwünsche. Herr Wang forderte einen „Herren“ auf, er sah was er sah, eine Frau. Das Männerkostüm erkannte er nicht. Proteste der Dame im Herrenanzug halfen nicht. Er sprach auch kein Deutsch. Dafür war sein Englisch gut. Frau Cao, seine Frau, sprach Deutsch.
So tanzten die beiden, Herr Wang voller Elan. Er hatte auch noch keinen Tanz hinter sich und war früher, wie er uns ja erzählt hatte, Gewichtheber.
Ich war für die Musik zuständig. Mir wurde zugeflüstert, die Musik läuft als „Endlosschleife“. Ich erlöste die Tänzerin und drehte die Musik langsam leiser.
Noch waren nicht alle Wünsche des Fernsehteams erfüllt. Alle sollten tanzen. Die meisten anderen Chinesen trauten sich nicht. Nach diesem Tanz mussten die armen Damen einen chinesischen Satz für die Kamera lernen. Alle hatten danach zwar einen Knoten in der Zunge, aber eine Menge Spaß gehabt.
Die Gastgeberfamilien hatten viel Aufregung und Arbeit, empfanden die Erfahrungen aber als bereichernd. Wo und wann lernt man Menschen, die in ihrer Heimat ganz anders leben, auf diese Weise kennen. Das gilt für die Gastfamilien genauso, wie für die Gäste aus China. Nun hoffen einige aus Gieselwerder, dass sie es eines Tages schaffen, die Gegeneinladung anzunehmen. Tatsächlich ist eine solche Einladung eine große Ehre, denn Chinesen sind sehr gastfreundlich, lassen aber Gäste nur ungern in ihre Wohnung. Eine solche Einladung ist also etwas Besonderes und Peking, in China Beijing genannt, hat für uns genauso viel Spannendes zu bieten, wie wir für Chinesen aus Beijing zu bieten haben. übrigens, zum Abschiedsessen gab es die Suppe - deutsch – vorweg.

Im Moment wird in der oberen Etage des Museums die Dauerausstellung aufgebaut. Deshalb ist das Museum bis Anfang März geschlossen. Die Handarbeitsrunde am Mittwoch von 15:00 bis 17:00 Uhr findet statt. Ein Anmeldung für die Teilnahme ist nicht notwendig.

Kontakt: Timur B. Kircher, Tel. 05572-4448

Sie können eine PDF-Version dieses Artikels hier oder hier > Schneewittchen und die 27 Chinesen herunterladen.

zurück